Was kannst du besonders gut? – Warum wir uns mehr mit unseren Stärken beschäftigen sollten

27. Oktober 2021

Paradoxerweise fällt es uns leicht, anderen aufzuzählen, was wir alles nicht (gut) können. Unsere Stärken zu benennen fällt uns hingegen um einiges schwerer. In meinem Arbeitsalltag als Trainerin begegne ich vielen Personen, die meinen, nicht zu wissen, was ihre Stärken sind. Auch Teammitglieder stellen oftmals nur Hypothesen darüber auf, was die Stärken ihrer Kollegen sind und sind damit weit davon entfernt, die Zusammenarbeit über den gezielten Einsatz und den Mix der einzelnen Stärkenprofile zu gestalten. Diese Beobachtungen führen mich immer wieder zu der Frage: Wie sollen wir unsere Stärken gezielt einsetzen und uns erfolgreich und wirksam im eigenen Handeln erleben, wenn wir sie gar nicht (alle) kennen? Und die daran anschließende Überlegung: Wie sollen wir im Team gut zusammenarbeiten, uns ergänzen und von den Stärken der anderen profitieren, wenn wir gar nicht wissen, was sie besonders gut können? Auch stelle ich fest, dass viele nicht über die eigenen Stärken sprechen wollen, um nicht überheblich zu wirken. Dabei wäre genau dieser Dialog so wichtig. Denn nichts macht glücklicher, als Selbstwirksamkeit und Flow zu erleben, wenn Dinge gelingen und ich mich als erfolgreich erleben kann.

Doch wie finde ich eigentlich heraus, was ich gut kann? Meine Stärken-Workshops beginne ich oft mit der Frage: Was liebst du? Was gibt dir Energie und wann bist du so richtig im Flow? Mithilfe verschiedener Modelle identifizieren wir dann die dahinerliegenden Werte und Motive, suchen tiefer nach dem, was uns grundsätzlich antreibt, was uns Kraft gibt. Dann schauen wir auf den bisherigen Lebensweg: Welche Entscheidungen haben dich bis hierhin gebracht? Was hat dich motiviert für diesen Weg und welche Fähigkeiten und Kompetenzen hast du bis hierhin entwickeln können: Was kannst du besonders gut? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, kann es helfen, sich selbst zu beobachten oder ausgewählte Personen nach den eigenen Stärken zu fragen. Gleichzeitig können Simulationsübungen und die anschließende Reflexion des eigenen Verhaltens, ergänzt um Feedback der anderen Teilnehmenden, unterstützen, den eigenen Stärken weiter auf die Spur zu kommen.

Und was mache ich, wenn ich meine eigenen Stärken dann kenne? Im Idealfall finden wir Tätigkeiten, in denen wir diese gezielt einsetzen können, ziehen Energie und Freude aus unserem Tun und werden dafür von unserem Arbeitgeber bezahlt. Da der Idealfall aber nicht immer gleich der Normalfall ist, sollten wir uns vorerst darin üben, ohne schlechtes Gewissen über unsere Stärken zu sprechen und von anderen aktiv Feedback einholen, was sie an einem schätzen und als Stärken empfinden. Indem wir bei anderen ein Bewusstsein dafür schaffen, was wir besonders gut können und wie andere von unseren Stärken profitieren können, können wir uns im Team stärkenorientiert aufstellen, Aufgaben und Verantwortung dementsprechend verteilen und uns gegenseitig schnell und unkompliziert unterstützen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir uns mehr darauf fokussieren sollten, Stärken zu stärken. Denn wer die eigenen und die Stärken anderer kennt und einsetzt, erlebt nachweislich mehr Sinnhaftigkeit, (Selbst-)Zufriedenheit, Motivation und Kreativität.




 
 
Stefanie Burggraf
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