Reden reicht nicht – die 3. Tagung zu bifokal-multisensorischen Interventionstechniken

11. Juli 2019

Bifokal-multisensorisch?? Was so sperrig daher kommt war in Wahrheit ein äußerst inspirierender Kongress zum Thema „Embodiment“. Dieses Schlagwort taucht in den letzten Jahren im Rahmen von Coaching, Training und mitunter sogar Organisationsentwicklung immer häufiger auf und war zu meiner Studienzeit – die zugegebener Maßen etwas zurück liegt – so gar kein Thema. Gemeint ist die Erkenntnis, dass das Bewusstsein einen Körper benötigt. Es gibt ein Wechselspiel zwischen unwillkürlichem (körperlichem) Erleben und bewusstem, rationalen (abstrakten) Denken. Beides in Einklang zu bringen ist hilfreich für eine erfolgreiche Selbstregulation.

Selbstregulation bedeutet in einem ersten Schritt, die eigenen (körperlichen) Empfindungen wahrzunehmen. Anstatt sich von unwillkürlichen Reaktionen leiten zu lassen, gilt es im nächsten Schritt, die eigenen Gefühle bewusst zu spüren und dabei gleichzeitig einen kühlen Kopf zu bewahren, um überlegt handeln zu können. In Coachingprozessen und auch in Trainings stellt die Einübung dieser „Introspektion“ einen wesentlichen Bestandteil dar, denn der Arbeitsalltag lässt häufig wenig Raum, sich selbst so vertieft zu reflektieren.

Noch immer hält sich das Gerücht, das rationale Denken sei höherwertiger als die Intuition, der Leib sei weniger bedeutsam als der Verstand. Daraus wird abgeleitet, dass Emotionalität beherrscht, ja verdrängt werden muss und vor allem am Arbeitsplatz nichts zu suchen hat. Damit bleibt eine wichtige Ressource ungenutzt, nicht nur in der Mitarbeiterführung, wo es um Freude an der Arbeit, Spaß an gemeinsamen Erfolgen, etc. geht. Auch im Umgang mit sich selbst vergibt sich ein vermeintlich rationaler Mensch mit diesem einseitigen Fokus auf einen relativ kleinen Teil seines Gehirns die Möglichkeit, ganzheitlich wahrzunehmen. Auch sind körperliche Reaktionen immer schneller als der langsame Geist und geben auch ungefragt Feedback, wenn wichtige Bedürfnisse zu kurz kommen. Der Besitzer eines Körpers tut deshalb gut daran, seinem Bauchgefühl Gehör zu schenken und den Emotionen und ihren Erscheinungsformen als Herzklopfen oder Schweißausbrüchen Achtung zu zollen.

Mit diesen Gedanken setzten sich die Kongressteilnehmer vertieft auseinander. Über 100 Referentinnen und Referenten stellten ihre Arbeit vor. Konzepte, Methoden und Theorien – immer mit dem Blick darauf, welche Methoden welche Wirkungen entfalten und warum. Bemerkenswert fand ich die große Offenheit für verschiedene Blickwinkel: Heilpraktiker, Ärzte, Psychotherapeuten, Coaches hörten einander zu mit Verstand, Herz und Bauch, um voneinander zu lernen. Mehr davon!




 
 
Kirsten Wallmichrath
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