Die Kunst der Co-Moderation vollendet im virtuellen Raum!

2. Dezember 2020

Die Co-Moderation in Präsenz ist eine Kunst, zumal sie die Moderation insgesamt nicht einfacher macht. Zwei Moderatoren/-innen bringen schließlich unterschiedliche Vorlieben, Präsentationsstile, Arbeits- und Sichtweisen mit. Aber warum gerade das nicht als Möglichkeit nutzen, um die Moderation besser zu machen? Erfolgreiches Moderieren zu zweit bedeutet schließlich auch: eine Bandbreite an ebendiesen unterschiedlichen Perspektiven, die den Diskurs eröffnen und gewinnbringende Kontroversen ermöglichen. Die Teilnehmer/-innen profitieren so von gleich zwei kompetenten Ansprechpartnern/-innen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Zugleich können sich die Moderatoren/-innen gegenseitig Sparrings-, Reflexionspartner/-innen und Feedbackgeber/-innen sein.

Die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile eines Moderations-Tandems scheint in einem klaren Bekenntnis zur Co-Moderation zu enden. Warum auch nicht, Piloten haben schließlich auch immer einen Co-Piloten an ihrer Seite, Polizisten gehen zu zweit auf Streife und zwei Augenpaare sehen bekannterweise mehr als eines.

Doch wie schafft man es, etwas, das in Präsenz schon als Kunst deklariert wird, in der virtuellen Welt erfolgreich umzusetzen? Wie geht man als Moderations-Tandem damit um, wenn es keine Gelegenheit gibt, sich von der Gruppe unbemerkt auszutauschen, abzusprechen oder auf Kleinigkeiten aufmerksam zu machen?

Aufgrund meiner Erfahrungen als Co-Trainerin kann ich sagen, von einer gemeinsamen Moderation profitieren sowohl die Teilnehmer/-innen als auch die Trainer/-innen – wenn dabei wesentliche Punkte berücksichtigt werden. So haben meine Kollegin und ich uns im Vorfeld genau dazu abgestimmt, wie wir als Moderations-Tandem zusammenarbeiten wollen, was uns beiden dabei wichtig ist, wo unsere Stärken und Vorlieben für spezifische Inhalte oder Moderationstechniken liegen und wann wir vermehrt die Unterstützung der anderen benötigen. Außerdem haben wir klar definiert, wer welche Rolle – die der Hauptmoderatorin und die der Co-Moderatorin – übernimmt und welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten damit einhergehen. Wer kümmert sich um die übergreifende zeitliche Steuerung? Wer ist erste Ansprechpartnerin bei technischen Problemen der Teilnehmer/-innen? Wer stellt welche Inhalte vor? Wer moderiert die Gruppenarbeit? Empfehlenswert finde ich, den Ablaufplan im Vorfeld detailliert durchzugehen und abzustimmen, wer welchen inhaltlichen Part übernimmt. Die Abstimmung von „Kleinkram“ ist im virtuellen Raum besonders wichtig: Wer teilt die Präsentation? Wer wechselt bei der Kleingruppenarbeit den virtuellen Raum? Darüber hinaus haben wir uns ein zusätzliches Kommunikationstool gesucht, um uns, von der Gruppe unbemerkt, zum Verlauf des Trainings, zu Unwägbarkeiten oder Auffälligkeiten austauschen und unser Vorgehen daran anpassen zu können. Vor allem im virtuellen Raum, wenn Blicke im Gruppensetting durch kleine Profilbilder oder ausgeschaltete Kameras kaum zu deuten sind, die nonverbale Kommunikation an Aussagekraft verliert und der eigene Handlungsspielraum das geplante Vorgehen flexibel anzupassen, stark eingeschränkt ist, steigt der Abstimmungsbedarf zwischen Haupt- und Co- Moderator/-in. Unabdingbar ist es aus meiner Sicht auch, nach dem Training gemeinsam zu reflektieren – was hat gut geklappt, was weniger gut? Wie haben wir beide unsere Zusammenarbeit erlebt? Wo gilt es nach zu steuern und was sollten wir beibehalten? Offenheit, Ehrlichkeit, Toleranz und Wohlwollen sollten dabei zentrale Werte sein auf denen die Zusammenarbeit im Moderations-Tandem beruht. Außerdem hilft an der ein oder anderen Stelle auch ein Augenzwinkern, wenn Dinge einmal nicht wie geplant funktionieren, technische Schwierigkeiten zu Verzögerungen führen und wir uns gegenseitig in herausfordernden Situationen mehr unterstützen dürfen. Die Co-Moderation im Präsenz ist schließlich eine Kunst und die im virtuellen eine par excellence!




 
 
Stefanie Burggraf
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