Das große „Back-to-office-Missverständnis“

25. Juli 2022

Die Frage, wie eine gute Back-to-office Regelung aussieht, beschäftigt gerade sehr viele Organisationen. Im Ergebnis kommen viele zu einer 3/2 oder 2/3 Verteilung und streben damit einen Kompromiss zwischen persönlichen Begegnungen und individueller Flexibilität an.

Die Diskussionen, die rund um die Einführung dieser Regelungen in den unterschiedlichsten Organisationen entstehen, erlebe ich häufig vergleichbar – mit sehr großen Diskrepanzen zwischen den Zielgruppen innerhalb der Organisationen:

In Runden der Geschäftsführungen oder Geschäftsleitungsteams steht häufig der Wunsch nach persönlichem Kontakt und informellem Austausch im Vordergrund. Oft geht es darum, ein besseres Gefühl zu bekommen, wie es den Leuten eigentlich geht, Beziehungen zu stärken und damit auch die soziale Bindung an das Unternehmen zu erhöhen.

Im Gespräch mit oder zwischen den Mitarbeitenden steht die Frage nach dem Vertrauen im Fokus – „In der Pandemie haben wir nachhaltig bewiesen, dass wir im Home-Office mindestens so effizient arbeiten, wie im Büro und jetzt wird uns das Vertrauen sofort wieder entzogen.“

Jetzt will ich nicht behaupten, es gäbe keine Führungsteams, die immer noch glauben, sie könnten ihre Mitarbeitenden im Büro viel besser kontrollieren – aber die Unternehmen, mit denen wir zusammen arbeiten scheinen nicht dazu zu gehören. Trotzdem steht der Vorwurf häufig im Raum und ich sehe da Potenzial für einen handfesten Konflikt. Gegebenenfalls sogar einen, der sich nachhaltig im System verfestigt, wenn die aktuell händeringend gesuchten Fachkräfte maximale persönliche Flexibilität zu einem zentralen Entscheidungskriterium für oder gegen einen Arbeitgeber machen. Auch diese Tendenz lässt sich bereits beobachten und schränkt in logischer Folge den Raum für die Gestaltung von kollegialen Beziehungen und persönlicher Begegnung am Arbeitsplatz maßgeblich ein. Darunter leidet auch eine Gruppe, die in der aktuellen Debatte häufig vergessen wird, nämlich die Personen, deren soziale Kontakte sich stark auf den Arbeitsplatz konzentrieren.

Wenn Ihnen diese Entwicklung so wenig gefällt, wie mir, dann lade ich Sie an dieser Stelle ein, die Konfliktklärung voranzutreiben und das große „Back-to-office-Missverständnis“ aufzulösen: Sorgen Sie für einen Austausch der über die jeweiligen Positionen hinausgeht und Interessen und Bedürfnisse der Beteiligten transparent macht. So können im ersten Schritt negative Unterstellungen aufgelöst werden und damit die Offenheit entstehen, Vereinbarungen auszugestalten, die die unterschiedlichen Interessen befriedigen. Vielleicht kann die Systematik des Konflikthauses eine Hilfestellung sein, um den Blick für neue gemeinsame Lösungsansätze zu öffnen.

Ich wünsche Ihnen und uns allen viel Erfolg dabei, gemeinsam eine gute neue Zusammenarbeit zu gestalten.

 




 
 
Marlene Busch
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