Bitte kein Klettergarten: Teamentwicklung strategisch einsetzen

19. Oktober 2018

Um in der VUCA-Welt erfolgreich zu bestehen, stellen sich Organisationen schlanker und agiler auf. Dabei kann sie eine durchdachte Entwicklung ihrer Teams unterstützen. Teamentwicklung bedeutet dabei, dass Teams gezielt zusammengesetzt und/oder systematisch weiterentwickelt werden und ist damit viel mehr als eine Förderung des guten Miteinanders. Reicht hierzu ein Ausflug in den vielbeschworenen Klettergarten wirklich aus?

Teamentwicklung

Um Teams strategisch und im Sinne der übergeordneten Unternehmensziele auszurichten, ist es wichtig zu wissen: Was ist der status quo und wo wollen wir hin? Dies kann sich sowohl auf Themen wie die vorherrschende Teamkultur oder das Commitment der Teammitglieder beziehen als auch auf die im Team vorhandenen Kompetenzen und Fähigkeiten.

Für eine zuverlässige Definition des „Wo wollen wir hin?“ bieten sich verschiedene Herangehensweisen an. Unternehmen, die über Kompetenzmodelle und Leitbilder verfügen, können diese als Basis nutzen. Bestehen solche Grundlagen nicht, müssen die Anforderungen von Grund auf erarbeitet werden. Dies ist nicht selten ein aufwändiges Verfahren, was jedoch, richtig angegangen, zu sehr passgenauen Soll-Definitionen führt.

Je nach Anforderung an das Team kann das „Ist“ gegen das „Soll“ auf verschiedene Art und Weise gemessen werden. Geht es um kulturelle Themen innerhalb des Teams bzw. Commitment im Sinne von Motivation, Zufriedenheit und Identifikation mit dem Team, so sind online-gestützte Mitarbeiterbefragungen, Puls Checks oder sogenannte Engagement-Messungen ein geeignetes Mittel, sich einen unternehmensweiten Überblick zu verschaffen und den Stand der Teams zu erheben. Ist eine Einschätzung von Kompetenzen und Fähigkeiten gefragt, können auch diese in einem Online-Verfahren gemessen werden – z.B. mit der Beurteilung durch den Vorgesetzten. Es können aber auch Verfahren eingesetzt werden, die ungleich aufwändiger sind, dafür jedoch eine fundiertere und objektivere Beurteilung erlauben: z.B. die Messung mit der Assessment Center-Methode.

Erst mit einem klaren Bild der Soll- und Ist-Profile einzelner Teams lassen sich Ziele und Maßnahmen für eine Teamentwicklung im Sinne der Unternehmensstrategie ableiten. Je nach Bedarf kann dazu die Entwicklung eines klaren Rollen- und Zielverständnisses gehören sowie die tiefere Auseinandersetzung mit den eigenen und den gemeinsamen Kompetenzen des Teams. Insbesondere für Unternehmen, die stärker eigenständig und flexibel agierende Teams etablieren wollen, kann die Förderung von Selbstverantwortung und Selbstentwicklung ein relevantes Ziel sein.

Je nach Zielsetzung haben Ausflüge in den Klettergarten zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls und einer Teamkultur durchaus ihre Berechtigung als ergänzendes Element der Teamentwicklung.  Sie haben jedoch auch eine klare Limitierung, wenn es um die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung der Kompetenzen eines Teams geht. Darüber hinaus haben sie den Ruf pauschal und unreflektiert für jede denkbare Fragestellung eingesetzt zu werden. So kann es für Unternehmen, die bewusst ein Zeichen setzen und alte Muster aufbrechen wollen, eine Überlegung wert sein, auf derlei unspezifische Maßnahmen gänzlich zu verzichten.

Gezielt und durchdacht eingesetzt, kann Teamentwicklung als strategisches Instrument einen signifikanten Beitrag zur Ausrichtung einer Gesamtorganisation leisten. Voraussetzung ist eine durchdachte Herangehensweise und eine klare Definition von Ist- und Soll-Zuständen als Ausgangspunkt für zielgerichtete Maßnahmen. Teamentwicklung kann und sollte damit viel mehr sein als die „Wohlfühlveranstaltung“, die ihr aktueller Ruf verspricht.




 
 
Janneke Thomas
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